Seit dem Mauerfall hatten Autodiebe nichts zu lachen. Durch stetige Weiterentwicklung, elektronische Wegfahrsperren und ausgeklügelte Alarmsysteme war es ihnen schwer möglich, ein Fahrzeug zu knacken oder es zu entwenden. Die Diebe blieben mit Kleiderbügel und Brecheisen hinter dem technischen Fortschritt zurück. Jährlich sanken die Zahlen der in Deutschland statistisch erfassten Diebstähle: das Rekordhoch von 105.543 Diebstählen im Jahr 1993 hat sich 15 Jahre später mit einer Rate von 16.134 geklauten Fahrzeugen drastisch verringert.
Doch nun zeigen die Statistiken eine Trendwende. Mit der Öffnung der deutschen Ostgrenze im Zuge der EU-Erweiterung wurde schon 2007 ein Anstieg der Kriminalitätsrate befürchtet. Der aktuelle Anstieg der Autodiebstähle um 38,2 Prozent in der Hauptstadt und 30,9 Prozent in Brandenburg zeigt deutlich, dass jene Ängste nicht unbegründet sind. „Durch den Wegfall der Grenzkontrollen verringerten sich die Chancen der Täterfestnahme“, heißt es bei der Berliner Polizei. Besonders gefährdet sind Automarken wie Porsche, VW, Audi, Mercedes und BMW.
Dazu kommen die neuen ausgeklügelten Tricks der Autoknacker, die sich das elektronische Netzwerk der Fahrzeuge wie Hacker zunutze machen. Seit einigen Jahren tritt folgendes Phänomen auf: das abgeschlossen geglaubte Auto ist offen, Navigationsgerät, Radio und Wertgegenstände fehlen und Spuren vom Täter gibt es keine. An dieser Stelle nutzen Kriminelle eine Schwachstelle bei der Zentralverriegelung via Fernbedienung – die Unachtsamkeit des Fahrers. Während er nach dem Aussteigen schon in Gedanken ist, senden die dreisten Autodiebe ein Störsignal und die Türen bleiben geöffnet. Ungehindert können sich die Langfinger nun bedienen, ohne Aufsehen zu erregen oder Spuren zu hinterlassen.
Es geht auch ausgeklügelter: Kriminelle können heute Autoschlüssel klonen. Ist ein Schlüssel einmal kurzfristig in ihren Händen, erstellen sie eine hundertprozentige Kopie des elektronischen Innenlebens. Häufig sind Autovermietungen Opfer dieser tückischen Attacke.
Eine weitere Variante ist die direkte Verbindung des Laptops mit der Elektronik des Fahrzeugs. Dazu muss nur die Motorhaube geöffnet werden, was für geübte Knacker binnen zwei Minuten möglich ist. Experten warnen: „Die Zahl der Fahrzeugdiebstähle wird in Zukunft wieder rasant steigen“. Seien Sie wachsam und verlassen Sie sich nicht blind auf die Zentralverriegelung Ihres Fahrzeugs!
So können Sie Ihr Fahrzeug schützen:
Grundsätzlich:
- Zündschlüssel auch bei kurzem Halt (z.B. Tankstelle) immer abziehen
- Nachts an gut beleuchteten Plätzen parken
- Autopapiere nicht im Fahrzeug liegen lassen
Mechanisch:
- Mechanische Sperren wie Lenkrad-Sperrstöcke und Pedalarretierungen nutzen
- Aufrüsten einer Alarmanlage (Kosten: ab 100 Euro)
- „Anti-Überfall-Funktion” – beim Auslösen des Alarms mittels Fernsteuerung wird der Dieb z.B. eingeschlossen und eine Serene beginnt zu heulen
- Mit der Individuellen Stromunterbrechung lässt sich der Motor des Fahrzeugs nicht starten
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